Jungen Leuten das Handwerk näher bringen


Außergewöhnlich netter Besuch diese Woche in meiner Geigenbauwerkstatt veranlasst mich wieder einmal in meiner Muttersprache einen Eintrag zu schreiben:

Der Beruf des Geigenbauers scheint bei vielen Leuten unterschiedlichster Herkunft und verschiedenen Alters Interesse zu wecken. Das haben mir die vielen Gäste, die ich in meiner Werkstatt schon empfangen durfte bewiesen! Des öfteren kommen Gruppenführungen in meine bescheidene Werkstatt im Rahmen von so genannten Handwerksführungen, welche nicht von mir selber organisiert aber insofern mitgestaltet werden, dass ich meine Werkstatt und mein ausgeübtes Handwerk in eigenen Worten zur Schau stellen darf. Es kommt aber auch nicht selten vor, dass Passanten mein bewusst unauffälliges Türschild doch entdecken oder durch intensives Geigenspiel angelockt werden, das durch die nicht schalldichten alten Fenster nach draussen auf den alten Dorfplatz dringt. Jene, die von der Neugier gedrängt in die offene Werkstatt hereinkommen werden nicht enttäuscht und bekommen meistens jene Einblicke, die sie sich erhoffen!

Was erwartet man sich eigentlich von einem Geigenbauer und einer Geigenbauwerkstatt?
Die ersten überraschten Blicke meiner unbekannten Gäste verraten mir, dass die meisten von ihnen nicht das vorfinden was sie erwartet haben. Wie auch! Ich hoffe nicht, dass ich einem Klischee entspreche! Ausserdem ist immer alles ganz anders wie man es erwartet.
Um genau zu wissen wie es ist muß man es schon selber erleben.

Das war auch der erster Gedanke, als diese Woche der Besuch einer ganzen Schulklasse samt Lehrern ins Haus stand. Wie bringt man jungen Leuten das Handwerk, den Geigenbau, näher?
Ein oft zitierter Spruch hierzulande klärt auf:

Sag es mir, und ich vergesse es. 
Zeige es mir, und ich erinnere mich.
Lass es mich tun, und ich behalte es. (Konfuzius)

Es ist sehr erstaunlich mit anzusehen, wie praktisch diese Worte anzuwenden sind: Nach einer kurzen Einführung und Veranschaulichung des Prozesses wie man eine Geige baut, ließ ich die Jungen und Mädchen selber Geigenzargen biegen und mit Geigenbauhöbeln an einem richtigen Geigenholz arbeiten. Der Eifer dieser jungen Leute war höchst erstaunlich und es hat mir Freude bereitet die vorliegenden Szenen zu beobachten und zu dokumentieren (siehe Fotos).
Die ebenso erstaunte Lehrerin hatte ihre Mühe die Schüler später zum Aufbruch zu bewegen, und erst nach mehrmaligen Aufrufen: "Jetzt müssen wir aber wirklich gehen!" und weiteren abschließenden Fragen waren sie auch wirklich bereit dazu.

Ich persönlich ordne solche Erfahrungen in die Reihe der erwähnenswert positiven Erlebnisse, die mir meinen Berufsalltag verschönern und als besonders wertvoll in Erinnerung bleiben.


Viele Grüsse an dieser Stelle an die Musikhauptschule Schwanenstadt. Danke für euren Besuch!

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